
Schweiz: Zwischen 40-50 Rappen pro Minute bezahlen wir häufig, wenn wir mit einem der drei grossen Mobilfunkanbieter
Swisscom,
Sunrise oder
Orange telefonieren.
Wieso die Mobilfunkgebühren hierzulande so hoch sind, fragen wir uns manchmal,
die Handymasten dürften langsam aber sicher amortisiert sein. "Wegen der Berge", erhalten wir zB. als Antwort. Die gibt es aber in Österreich auch und dort kostet mobiles Telefonieren ein Klacks. "Wegen hoher Interkonnektionsgebühren", sagt man uns dann.
Interkonnektionsgebühren muss ein Mobilfunkanbieter einem anderen Anbieter bezahlen, wenn er Anrufe zu dessen Kunden durchstellen will. Diese Gebühren sind in der Schweiz recht hoch.
Wegen "unangemessen hoher Terminierungsgebühren" im Mobilfunk ist Swisscom im Februar von der Wettbewerbskommission zu einer
Rekordbusse von 333 Mio. verknurrt worden. Die Verfehlung wurde vom einer Bundesstelle (
Weko) festgestellt. Die Busse musste vom Bundesbetrieb Swisscom an
den Bund bezahlt werden (!). Man könnte es Nullsummenspiel oder
vorgezogene Dividende im Schildbürgerland nennen. Die Swisscom hat bereits im Festnetzbereich
zu hohe Gebühren von der Konkurrenz verlangt.
Die Masse macht's
Swisscom verlangt 20 Rappen pro Minute für Anrufe in ihr Handynetz. Bei Swisscom Mobile betragen die von Sunrise und Orange herkommenden Minuten nur rund 20% aller terminierter Minuten. Bei Orange und Sunrise beträgt der vom Swisscom-Konzern her stammende Verkehr jedoch rund 70% aller terminierter Minuten. (Quelle:
Weko)
Die Terminierungsgebühren kann Swisscom wegen dieser marktbeherrschenden Stellung bei der Terminierung praktisch eigenmächtig festlegen und die Konkurrenz als Kundenmelkmaschinen missbrauchen. Es ist David gegen Goliath. Senken die anderen Anbieter die Terminierungskosten, bringt das wenig, nur Swisscom freut's.
Deshalb kommt die
Weko zum Schluss, dass die
ComCom aktiv werden müsste, um eine Senkung der Konnektionspreise durchzusetzen. Sunrise und Orange kommen als Kläger nur bedingt in Frage, da sie noch höhere Konnektionspreise verlangen, um ihre Kosten wieder etwas einzuspielen. Schlussendlich kuckt
der Konsument in die Röhre.
Wieso sollte Swisscom die Gebühren freiwillig senken? Sie kann durch hohe Konnektionsgebühren auch die Preise der Konkurrenz künstlich hoch halten und selber kräftig verdienen, da 80% der Anrufe von Swisscom-Anschlüssen auch im Swisscom-Netz bleiben und somit keine Terminierungsgebühr bezahlt werden muss.
Eine interessante Rolle dürfte dem für seine Klagefreudigkeit bekannten Zwerg
Tele2 zukommen. Über dessen Zahlen und Gebühren konnte ich nichts herausfinden.
Sollte ich mich irgendwie grundlegend verrechnet haben, lasse ich mich auch gerne korrigieren...
Die ungefähren Kundenzahlen der drei grössten Anbieter:
Swisscom Mobile: 4,9 (Oktober 2007)
Sunrise: 1,491 (November 2007)
Orange: 1,441 (Juli 2007)
(Quelle: Anbieter, Kunden von Coop-Mobile, Aldi-Mobile, Migros-Mobile nicht eingerechnet).